Berliner Dirigent Petrenko macht sich Sorgen: „Niemand braucht uns mehr“

Kirill Petrenko blickte auf das Frühjahr 2020 zurück, als seine erste Saison als Dirigent der Berliner Philharmoniker durch den jäh abgebrochen wurde Coronavirus Pandemie.

„Wir waren alle sehr zerstört, weil wir irgendwann dachten, niemand braucht uns mehr“, sagte er. „Ihr Leben geht weiter. Konzertsäle sind geschlossen. Theater sind geschlossen. Einige Leute machen ihre Arbeit, aber wir sitzen zu Hause.

Öffentliche Aufführungen wurden am 12. März 2020 ausgesetzt. Als die Konzerte mit einem Kammerorchester in der leeren Berliner Philharmonie am 1. Mai mit digitaler Power wieder aufgenommen wurden, verglich Petrenko dies damit, als Glenn Gould das Live-Piano aufgab und sich ins Aufnahmestudio zurückzog.

Regelmäßige Auftritte vor vollem Publikum kehrten erst im Mai 2022 zurück.

„Dann verstehen wir durch Kommunikation wieder, worum es in unserem Beruf geht“, sagte Petrenko am Montag in einem Zoom-Interview mit US-Medien. „Es geht nicht nur darum, Musik zu machen, es ist Musik vor jemandem oder für jemanden zu machen oder unser Wissen einzubringen, sondern auch jemanden zu verändern, der gerade in diesem Raum ist, c ist das, was so gefehlt hat.“

Petrenko wird die Berliner Philharmoniker auf ihrer ersten US-Tournee seit sechs Jahren dirigieren. Am 10. und 12. November dirigiert er Mahlers Siebte Symphonie in der Carnegie Hall und gibt in der Mitte ein Konzert mit Andrew Normans „Unstuck“, Mozarts Violinkonzert Nr. 1 mit dem Solisten Noah Bendix-Balgley und der Symphonie in Fis von Korngold. Die Tour umfasst Mahler in Chicago (16. November); Ann Arbor, Michigan (19. November); und Naples, Florida (22. November); und das andere Programm in Boston (13. November), Ann Arbor (18. November) und Neapel (21. November).

Das Orchester hat 74 Carnegie-Konzerte gespielt, beginnend mit seiner ersten US-Tournee im Jahr 1955. Seit 2016 kehrt es erstmals wieder nach New York zurück.

Mehr als 30 Musiker werden sich an Bildungsbemühungen beteiligen, sagte Principal Horn Stefan Dohr, darunter Meisterkurse, Frage-und-Antwort-Sitzungen mit Pädagogen, Schülergespräche und Kammerkonzerte in Schulen. WQXR Radio wird die Aufführung am 10. November ausstrahlen. Als Teil der Tour wird eine American-Circle-Support-Band in Carnegie lanciert.

„Wir wollen eine amerikanische Familie von Freunden und Spendern für das Orchester aufbauen“, sagte Andrea Zietzschmann, die für die Saison 2017/18 General Manager des Orchesters wurde.

Petrenko ist Berlins vierter Dirigent in sieben Jahrzehnten. Der heute 50-jährige wurde 1972 in Omsk, damals Teil der Sowjetunion, geboren und zog mit 18 Jahren mit seiner Familie nach Österreich. Nach seinem Klavierstudium dirigierte er von 1997 bis 1999 an der Volksoper Wien, war von 1999 bis 2002 Musikdirektor des Meininger Staatstheaters in Deutschland und fünf Jahre lang Musikdirektor der Komischen Oper Berlin.

Petrenko war 2006 der erste Gast, der Berlin leitete, und wurde ein Jahrzehnt später als Musikdirektor für die Saison 2019/20 engagiert. Er übernahm die Zügel eines Orchesters, das von einem resonanten und makellosen Klang durchdrungen war.

„Die Berliner Philharmoniker sind das außergewöhnlichste Orchester der Welt. Ein Dirigent braucht ein wenig Zeit, um ein solches Orchester klanglich in das zu verwandeln, was sich ein Dirigent vorstellt“, sagte Petrenko. „Die Berliner Philharmoniker sollen vor allem immer wie die Berliner Philharmoniker klingen. Ich möchte nicht mit einigen Traditionen brechen. Natürliche Klänge kommen einfach aus diesem Orchester. Ich möchte ihm sozusagen meinen Stempel aufdrücken. Und es basiert vor allem auf einem schönen, riesigen und transparenten Saitenklang.

Sein Ziel ist es, Holzbläser, Blechbläser und Schlagzeug zu einem „fetten, transparenten und leichten“ Klang zu kombinieren. Er sagt, es solle bei Debussy anders sein als bei Brahms, während das Orchester gleichzeitig die Verbindungen zu den deutschen und österreichischen Traditionen von Mozart, Brahms, Richard Strauss, Mahler und Schubert verfeinern werde.

„Diese Art von Arbeit wird noch mindestens fünf oder sechs Jahre dauern“, sagte er. „Dann können wir darüber sprechen, was passiert ist, was sich verändert hat, was wir bewahrt haben, was wir erreichen möchten, was wir transformieren möchten, was wir neu entwickeln möchten.“

Emilie Kunze

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