Der erste Geiger der Münchner Philharmoniker wurde vom rot-grünen Stadtrat wegen „zu großer Nähe zu Russland“ entlassen

Lorenz Nasturica-Herschcowici, seit 30 Jahren Konzertmeister der Münchner Philharmoniker, wurde letzte Woche entlassen, nachdem er behauptet hatte, er sei „zu nah an Russland“.

Das große Talent des gebürtigen Rumänen wurde 1992 vom damaligen Chefdirigenten des Philharmonischen Orchesters, dem weltberühmten Sergiu Celibidache, erkannt und zum Konzertmeister des Orchesters ernannt. Insbesondere Nasturica-Herschcowici entfaltete souverän die Klarheit und Schönheit des Klangs, die so charakteristisch für Celibidaches Interpretationen von Werken des Komponisten Anton Bruckner sind.

Lorenz Nasturica-Herschcowici [Photo by Mike Vilchuk © Mariinsky theatre]

Zu Recht wurde Nasturica-Herschcowici als „Teufelsgeigerin“ gefeiert (Süddeutsche Zeitung, 5. April 2010), in Anlehnung an den genuesischen Geiger Niccolo Paganini aus dem frühen 19. Jahrhundert. Ein Beispiel ist zu finden hier.

Im Mai warf Florian Roth (Grüne), Mitglied des SPD-Grünen-Münchner Stadtrats, dem rumänischen Geiger vor, „Teil von zu sein [Russian president Vladimir] Putins Propagandamaschinerie“, basierend auf der Tatsache, dass Nasturica-Herschcowici neben seiner Tätigkeit für die Münchner Philharmoniker mit dem Mariinsky-Orchester unter der Leitung von Valery Gergiev aufgetreten war.

Die Münchner Kultursprecherin der SPD, Julia Schönfeld-Knor, Mitglied des Philharmonischen Rates, sagte, obwohl Nasturica-Herschcowici das gesetzliche Recht habe, mit dem in Russland ansässigen Orchester zu spielen, sollte ihre Zusammenarbeit „aus ethischen Gründen abgelehnt werden“. Gergiev war bereits Anfang März als Dirigent der Münchner Philharmoniker entlassen worden.

Dieser jüngste Akt der Diskriminierung erinnert an die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte. Vor mehr als 80 Jahren wurden nicht nur die Karrieren jüdischer Künstler zerstört, sondern auch die Lebensgrundlagen ihrer Freunde oder Ehepartner ruiniert, wenn sie ihre Freunde und Verwandten nicht meldeten. Heute wird einem Rumänen mit jüdischem Namen (Herschcowici) vorgeworfen, sich nicht von einem russischen Dirigenten distanziert zu haben.

Die Medien in Deutschland machen sich an dieser Kampagne gegen den Geiger mitschuldig und gießen damit noch mehr Öl ins Feuer der antirussischen Hetze. Der Konzertmeister habe mit der Tournee mit Gergiev „einen lukrativen Nebenjob“ begonnen, teilte der Bayrische Rundfunk (BR) mit. Gergievs „Reichtum und verschwenderische Ausgaben“ seien bekannt, schimpfte BR. „In der Zwischenzeit“, lasse er sich „von der russischen Öffentlichkeit feiern“.

Als ob ein außergewöhnlicher Musiker oder Dirigent nicht von einem Publikum gefeiert werden sollte, das ihm zuhören kann!

Ebert Maier

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