Faktencheck: Hat Greta Thunberg gefordert, dass alle Elektroautos fahren? | Welt | Neueste Nachrichten und Einblicke aus der ganzen Welt | DW

Falsch zugeordnete und erfundene Zitate sind zu oft online zu finden. Sie werden normalerweise ausgestrahlt, um politische Gegner lächerlich zu machen oder zu diskreditieren. Kürzlich kursierte in den sozialen Medien eine Fotomontage, die die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg bei einer Rede mit eingeblendetem Text zeigt: „Ich fordere, dass jetzt alle Elektroautos fahren!“

Die untere Hälfte der Collage zeigt ein Kind, das in die Kamera schaut, Arme und T-Shirt mit Schlamm bedeckt. Im Hintergrund arbeiten Menschen im schlammigen Wasser. Der diesem Teil überlagerte Text lautet: „Wir bauen das Kobalt für Ihre Batterien so schnell wie möglich ab, Greta.“

Mehr als 70 % des Kobalts für Batterien werden in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut.

Facebook-Post von Hans-Ulrich Rülke vom 20.06.2022

Diese Montage veröffentlichte der deutsche Gesetzgeber Hans-Ulrich Rülke am Montag auf seiner Facebook-Seite. Rülke leitet die liberal-demokratische FDP-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg, im Südwesten Deutschlands.

Beanspruchen: Greta Thunberg hielt eine Rede, in der sie sagte: „Ich fordere, dass jetzt alle Elektroautos fahren!

DW-Faktencheck: Gefälscht.

Das Bild in der oberen Hälfte der Montage zeigt Greta Thunberg bei einer Rede auf der COP25-Klimakonferenz der Vereinten Nationen 2019 in Madrid, Spanien. Während seiner Rede flehte Thunberg die Welt an, die Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren, sagte aber nie: „Ich fordere, dass jetzt alle Elektroautos fahren“, geschweige denn Elektroautos. Seine vollständige Rede ist auf YouTube verfügbar. Das Elektroauto-Zitat wurde erfunden und fälschlicherweise dem Klimaaktivisten zugeschrieben.

EIN umgekehrte Bildsuche mit TinEye zeigt, dass die Montage bereits auf der gepostet wurde Reddit-Diskussionsforum 23. November 2021. Es wurde im Unterforum „r/cursedcomments“ geteilt, das Benutzer einlädt, Inhalte zu posten, die die Leser „verblüfft“ zurücklassen, aber auch ein „Lächeln auf Ihr Gesicht“ zaubern. Der Beitrag wurde inzwischen von Moderatoren gelöscht.

Es ist möglich, dass der Inhalt mit Thunbergs erfundenem Zitat ursprünglich zu Unterhaltungszwecken erstellt und geteilt wurde und nicht zu Fehlinformationen. Es scheint, dass die Bearbeitung später aufgegriffen und von anderen geteilt wurde, um den Klimaaktivisten zu diskreditieren.

Eine TinEye-Suche ergab, dass die untere Hälfte der Montage, die ein afrikanisches Kind mit im Hintergrund arbeitenden Bergarbeitern zeigt, erstmals am 29. November 2014 auf der indonesischen Nachrichtenplattform www.liputan6.com veröffentlicht wurde.

Obwohl Rülkes Post für erhebliche Kontroversen sorgte, entfernte er ihn nicht von seiner Facebook-Seite. Im Gespräch mit dem Deutschen täglich Rhein-Neckar-Zeitung, Rülke verteidigte am Donnerstag das Teilen der Montage, und sagte: „Ich habe den Beitrag nicht erstellt, ich habe ihn nur geteilt. Beiträge wie dieser sind immer übertrieben. Ziel war es, mehr Aufmerksamkeit auf die unmenschliche Kinderarbeit im Kongo zu lenken.“ Auf die Frage, warum er ein falsches und fälschlicherweise zugeschriebenes Zitat von Greta Thunberg teile, antwortete Rülke, dass die Klimaaktivistin „Elektroautos in den USA gefahren“ sei, was „große mediale Aufmerksamkeit“ erregt habe.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Thunberg Ziel von Desinformationskampagnen wird.

Bearbeitet von: Andreas Illmer

Ebert Maier

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