Hoffnungen auf eine niedrigere Inflation heben die Stimmung der deutschen Anleger

Das Vertrauen der deutschen Anleger erholte sich im November überraschend, wie eine genau beobachtete Umfrage heute zeigte, in der Hoffnung, dass die Inflation allmählich nachlässt und die Schmerzen für Unternehmen und Haushalte lindert.

Der Wirtschaftsindex des ZEW-Instituts stieg um 22,5 Punkte auf -36,7 Punkte, der zweite Anstieg in Folge nach Monaten des Vertrauensrückgangs.

Von Factset befragte Analysten hatten einen geringeren Aufschwung der Moral erwartet und prognostizierten für November einen Wert von -51 Punkten.

Der Anstieg „hängt wohl in erster Linie mit der Hoffnung auf bald sinkende Inflationsraten zusammen“, sagte ZEW-Vorsitzender Achim Wambach.

„Allerdings sind die konjunkturellen Aussichten für die deutsche Wirtschaft weiterhin deutlich negativ“, sagte er.

Für seine Umfrage befragt das ZEW Experten zu ihrem Ausblick für die nächsten sechs Monate. Ein negativer Messwert bedeutet, dass die meisten Experten pessimistisch sind.

Die Umfrage fragt die Befragten auch nach ihrer Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage in Deutschland.

Auch hier zeigten sich die Anleger optimistischer, der Wert stieg um 7,7 Punkte auf -64,5 Punkte.

Fast zwei Drittel der Befragten gaben zudem an, dass sie in den nächsten sechs Monaten mit einem Rückgang der Inflationsrate in Deutschland rechnen.

Steigende Energiekosten trugen dazu bei, die deutsche Inflation im Oktober auf ein Rekordhoch von 10,4 % zu treiben, aber es wird erwartet, dass die Preise fallen werden, wenn die Hilfsmaßnahmen greifen.

Die Bundesregierung hat ein 200-Milliarden-Euro-Paket angekündigt, um Unternehmen und Bürger vor den Folgen der himmelhohen Energiepreise nach dem Krieg Russlands gegen die Ukraine zu schützen.

Der Plan sieht eine Einmalzahlung zur Deckung der Heizkosten im Dezember und eine Deckelung der Strom- und Gaspreise ab Anfang 2023 vor.

Auch die Regierung hat sich beeilt, ihre Gasreserven für den Winter aufzufüllen, die jetzt fast zu 100 % gefüllt sind.

Der Ökonom Christoph Swonke von der DZ Bank sagte, dass die Anleger zwar Grund hätten, „gute Nachrichten“ zu begrüßen, die Anlegerstimmung aber insgesamt niedrig blieb.

Die optimistischere Stimmung im November „kündigt noch keine Trendwende an, da die Unsicherheiten und der wirtschaftliche Gegenwind durch die hohe Inflation hoch bleiben“, sagte Swonke.

Die deutsche Wirtschaft dürfte im nächsten Jahr in eine Rezession fallen und um 0,4 % schrumpfen.

Willi Langer

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