Im Winter greifen die Deutschen zunehmend zum Heizen mit Holz – EURACTIV.de

Da die Gas-, Öl- und Strompreise in die Höhe schnellen, greifen die Deutschen zunehmend auf Holz zurück, um ihre Häuser zu heizen, und haben die Preise gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt.

Seit Wochen fließt kein Gas mehr in Nord Stream 1, Deutschlands Atomkraftwerke stehen kurz vor der Abschaltung, und die Regierung rettet Energiekonzerne links und rechts.

Trotz Warnungen vor möglichen Blackout-Szenarien beeilen sich Verbraucher weiterhin, elektrische Raumheizungen zu kaufen. Die Deutschen sind besorgt.

Die jüngsten politischen Äußerungen haben zu der Besorgnis beigetragen. „Deutschland könnte den kommenden Winter gut überstehen“, vorausgesetzt, „Wetterglück“ und genügend Benzin zu sparen, erklärte am 19. September Robert Habeck, Vizekanzler und Minister für Wirtschaft und Klimaschutz.

Im deutschen politischen Diskurs wurde dies als die Nummer zwei der Regierung interpretiert, die Glück brauchte, um den Winter zu überstehen.

In diesem Zusammenhang sind steigende Holzpreise nicht überraschend. „Manche Leute finden es seltsam, dass die Preise für Holzpellets steigen. Ich weiß nicht. Wenn der Preis eines Gutes steigt, ersetzen die Leute es, was den Preis von Ersatzstoffen in die Höhe treibt.“ sagte Löwe HirthProfessor für Energiemärkte an der Hertie School in Berlin.

Laut Vergleich der Brennholzpreise im August 2022 geben die Deutschen deutlich mehr Geld für Heizholz aus.

Die Preise für Holzpellets und Brennholz sind im Vergleich zum Vorjahr um 85,7 % gestiegen. Die drastischste Preiserhöhung betraf Holzflocken und Pellets, die um 133,3 % zulegten. Der durchschnittliche Preisanstieg für Konsumgüter betrug im gleichen Zeitraum hingegen nur 7,9 %.

Das Statistische Bundesamt führt mehrere Ursachen für den außergewöhnlichen Anstieg an und führt ihn auf eine „gestiegene Nachfrage“ sowie „erhöhte Anschaffungs- und Transportkosten in der Holzwirtschaft“ zurück.

Die wachsende Holznachfrage des Landes hat auch die Exporte gedrückt, die gegenüber dem Vorjahr um 30,3 % zurückgegangen sind.

Während die hohen inländischen Energiekosten die Produktion von holzbefeuerten Heimheizöfen behindert haben, die im ersten Quartal 2022 um 4,5 % zurückgingen, sind die Importe von Öfen gestiegen. Im Juli wurden weitere 60.000 Öfen nach Deutschland importiert, davon 62,4 % aus China. Gleichzeitig gingen die Wiederausfuhren von Backöfen in die EU-Länder um 28,8 % zurück.

Nur wenige deutsche Kamine werden ausschließlich mit Holz beheizt. Stattdessen ist Holz eine beliebte sekundäre Wärmequelle. Gängige Beispiele sind ein Innenkamin. 11,8 % der 2021 neu gebauten Häuser können mit Holz heizen.

Und das trotz Warnungen vor den klima- und gesundheitsschädlichen Wirkungen von Kaminholz, das in Städten wie Paris mittlerweile aus Luftqualitätsgründen reglementiert ist.

„Holzverbrennung ist die größte Quelle der Feinstaubbelastung und tötet bereits täglich mehr als 1.000 Menschen in der EU“, erklärte der Biologe und NGO-Aktivist Karl Wagner kürzlich in einem Leitartikel für EURACTIV.

[Edited by Frédéric Simon]

Mareike Engel

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