Gasstreit zwischen Europa und Russland bedroht die Zukunft des ältesten Glasunternehmens der Welt | Weltnachrichten

Seit 11 Generationen betreibt die Familie von Maximilian Riedel die Hochöfen ihres Glasunternehmens. Er befürchtet, dass die Gaspattsituation zwischen Europa und Russland dieses Erbe erschüttern wird.

Riedel, gegründet 1756, hat drei Jahre Zeit, um Spezialmaterialien für die von ihm hergestellten Luxusweingläser und Dekanter zu beschaffen, und die zum Schmelzen des Glases verwendeten Öfen können bei Beschädigung brechen. Das bedeutet, dass eine Produktionspause aufgrund von Energierationierungen das Unternehmen vorübergehend aus dem Geschäft bringen würde.

„Ich gehe vorwärts und hoffe, dass wir nicht die Titanic sind“, sagte Riedel, 44, in einem Zoom-Interview von der Firmenzentrale in der österreichischen Alpenstadt Kufstein. Die Energiekrise mache „alles unsicher und Geschäftsleute sind sehr nervös“, sagte er.

Unternehmen in ganz Europa machen sich auf das Schlimmste gefasst, da die Regierungen Notfallpläne für Gasengpässe in diesem Winter erstellen, falls der russische Präsident Wladimir Putin die Lieferungen weiter kürzt. Ein von der Bundesregierung erstellter Notfallplan für Gas sieht im schlimmsten Fall eine staatliche Kontrolle über die Verteilung vor.

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Die Frage für Unternehmen wie Riedel wird sein, wo sie auf der Prioritätenliste der Regierung stehen, da sie ein Lieferant von nicht lebensnotwendigen Gütern sind. Die Bundesnetzagentur BNetzA hat Daten zum Gasverbrauch gesammelt, um zu versuchen zu beurteilen, welche Unternehmen zuerst Gas bekommen sollten, wenn das Produkt rationiert werden muss. Haushalte und soziale Dienste wie Krankenhäuser hätten oberste Priorität, gefolgt von Heizung, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung, sagte BNetzA-Vizepräsidentin Barbie Kornelia Haller vergangene Woche dem Institut der deutschen Wirtschaft.

Der Gesetzgeber hat Glashersteller als Beispiel angeführt, warum Gasrationierung mit Vorsicht angewendet werden sollte. Aber diese Debatte konzentrierte sich hauptsächlich auf Unternehmen wie die Gerresheimer AG, die Glas für die Herstellung von Impfstofffläschchen herstellt, und nicht auf Hersteller von Luxusartikeln wie Riedel. Das Unternehmen ist unter Winzern ein Begriff und erzielte 2021 einen Jahresumsatz von 338 Millionen Euro (349 Millionen US-Dollar).

Inwieweit die Rationierungsrichtlinien strikt durchgesetzt werden, ist noch unklar, da die deutsche Netzregulierungsbehörde zahlreiche Ausnahmegesuche erhält.

Riedel setzt auf russisches Gas, um zwei Fabriken in den süddeutschen Städten Amberg und Weiden mit Strom zu versorgen, die über eine Produktionskapazität von 60 Millionen Einheiten maschinell gefertigter Linsen verfügen. Es hat auch die Kapazität, 250.000 handgefertigte, elektrisch betriebene Brillen in seinem Werk in Kufstein zu produzieren.

Die Energierechnungen des Unternehmens sind bereits um mindestens 30 % gestiegen, aber es hat seine Fabriken voll ausgelastet, um zu versuchen, noch höhere Energiepreise im Winter zu erwarten. Riedel will 2022 mindestens 20 Millionen Euro in das Unternehmen investieren, doppelt so viel wie er für das Jahr geplant hatte.

„Wir sind derzeit und zumindest für die nächsten Jahre ausschließlich auf Gas angewiesen“, sagte Riedel. „Im Moment würde kein Energieversorger mit uns einen Dreijahres- oder gar einen Zwölfmonatsvertrag abschließen, also müssen wir täglich Energie einkaufen.“

Rüdiger Ebner

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